Hingabe für das eigene Thema, klare Kommunikation und eine offene, partizipative Lernatmosphäre kommen bei Studierenden sehr gut an. Das zeigen die Nominierungen der Studierenden für den diesjährigen Lehrepreis. Seit 2015 vergibt die Studierendenvertretung stuvus den Lehrepreis für hervorragende Leistungen und große Einsatzbereitschaft in der Lehre. In diesem Jahr wurden vor allem junge Dozierende nominiert, die noch am Beginn ihrer akademischen Karriere stehen. Eine von ihnen ist die Literaturwissenschaftlerin Alisa Winkens – sie erhält den Lehrepreis 2025 für ihr überdurchschnittliches Engagement und überzeugendes Auftreten. Außerdem vergibt stuvus einen Sonderpreis für innovative und kompetenzorientierte Lehre an die Bauingenieurin Prof. Silke Wieprecht. Die beiden Preisträgerinnen nahmen ihre Auszeichnung beim Festakt des Deutschlandstipendiums entgegen. Im Interview verraten sie ihre Erfolgsrezepte für gute Lehre.
Was macht gute Lehre für Sie aus?
Alisa Winkens: Gute Lehre bedeutet für mich vor allem, Wissen so zu vermitteln, dass Begeisterung entsteht. Mir ist dabei wichtig, eine offene und wertschätzende Atmosphäre zu schaffen, in der Studierende dazu angeregt werden, ihre Ideen kreativ einzubringen und mitzudiskutieren. Ich finde es enorm bereichernd, unterschiedliche Impulse aus der Gruppe aufzugreifen und gemeinsam weiterzudenken. Insgesamt versuche ich, die Studierenden möglichst praxisnah und interaktiv mitzunehmen, sodass sie Wissenschaft wirklich mitgestalten können. Dabei möchte ich zum eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten und zum kritischen Denken motivieren.
Prof. Silke Wieprecht: Für mich fängt gute Lehre mit der Lust zu lehren an. Spaß an den Themen, die man vermittelt und sich auf jede Vorlesung freuen, gehört für mich einfach dazu. Mir ist es wichtig, den Studierenden mitzugeben, warum sie etwas lernen. Ich versuche auch immer, die Inhalte mit realen Problemen oder aktuellen Entwicklungen zusammenzubringen. Außerdem frage ich viel, um die Studierenden aktiv einzubinden und zu ermutigen, selbst Fragen zu stellen. Mit dieser Art der Lehre möchte ich einen Beitrag dazu leisten, junge Erwachsene auszubilden, die verantwortungsvoll durch die Welt gehen und auch mal kritisch hinterfragen, was von ihnen erwartet wird.
Was bereitet Ihnen Freude an der Arbeit mit den Studierenden? Was können Sie von Ihren Studierenden lernen?
Alisa Winkens: Für mich ist es inspirierend, mit wie viel Neugier und Teamgeist sich die Studierenden einbringen – etwa in unseren Science to Public-Formaten, mit denen wir unsere Forschung auch außerhalb der Universität zugänglich werden lassen. Besonders freue ich mich, wenn ich die Studierenden mit meinem Enthusiasmus für die französische Literatur und Kultur anstecken kann. Einige organisieren sogar in ihrer Freizeit gemeinsame Theaterbesuche und Exkursionen, sodass auch außerhalb der universitären Lehre in Stuttgart eine lebendige Auseinandersetzung mit den Inhalten entsteht.
Prof. Silke Wieprecht: Der Austausch – ich freue mich sehr über Studierende, die sich aktiv einbringen, die mich mit Fragen löchern und die etwas wissen wollen. Ich lehre auch im internationalen Studiengang WAREM und habe es hier mit Studierenden aus aller Welt zu tun. Jedes Jahr lerne ich etwas Neues und immer ein Stückchen mehr von dieser Erde kennen. Und dazu muss ich nicht einmal verreisen.
Welche Rollen spielen digitale Tools oder Künstliche Intelligenz für Sie in der Lehre?
Alisa Winkens: Digitale Tools ermöglichen uns neue Methoden in Forschung und Lehre. In unserem Projekt VERS.AI.LLES-Talents beispielsweise entwickeln Studierende aus dem Lehramt Französisch in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Visual Computing ein digitales Theatermodell. So konnten wir erleben, wie literaturwissenschaftliche Fragestellungen und historisch-kritische Quellenarbeit mit Virtual Reality und generativer KI verbunden werden können.
Prof. Silke Wieprecht: Ich benutze Künstliche Intelligenz oft als „Hilfsassistentin“ oder um mir Ideen zu holen. Ich ermutige auch die Studierenden KI zu nutzen. Sie lernen dadurch nicht nur Verantwortung für die eigene Arbeit zu übernehmen, sondern auch sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen. Ergebnisse der KI zu überprüfen, bringt sie dazu, weiter intensiv zu einem Thema zu recherchieren. Auch das ist eine spannende Art zu lernen.
Auch der DAAD-Preis für herausragende Leistungen und gesellschaftliches, interkulturelles Engagement ausländischer Studierender wurde überreicht.
Über den Lehrepreis
Die Studierendenvertretung stuvus vergibt seit 2015 jährlich den Lehrepreis und einen Sonderpreis. Der Preis würdigt herausragende Leistungen sowie besonderes Engagement in Studium und Lehre. Alle Studierenden der Universität Stuttgart können eine Nominierung einreichen. Im Austausch mit Nominierungsgeber*innen schlägt stuvus dem Entscheidungsausschuss eine Auswahl von Kandidat*innen vor. Über die Vergabe des Lehrepreises entscheidet der Senat der Universität Stuttgart auf Vorschlag des Senatsausschusses für Lehre. Der Lehrepreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Sonderpreis mit 5.000 Euro. Das Preisgeld dient zweckgebunden der Verbesserung der Lehre.
Tag der Lehre und des Lernens 2026
Am Mittwoch, 8. Juli 2026 von 13 bis 15 Uhr findet der Tag der Lehre und des Lernens im Café frei{raum] an der Universität Stuttgart statt. Das Prorektorat für Lehre und Weiterbildung informiert über aktuelle Entwicklungen und Projekte in Studium, Lehre und Weiterbildung. Alle Studierenden und Lehrenden sind herzlich eingeladen, eigene Ideen und Perspektiven einzubringen und sich aktiv zu beteiligen. Wenn Sie sich mit einem eigenen Beitrag beteiligen möchten, reichen Sie Ihren Vorschlag bitte bis zum 15. Juni per E-Mail ein.
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Jacqueline Gehrke
Onlineredakteurin